Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg (1866-1918)

Eine Vereinigung, die lange existiert, hat viel erlebt. Die Gründungszeit liegt weit zurück. Vieles aus den ersten Jahren ist im Dunkeln. Urkunden gingen verloren. Im Ablauf der Zeiten kann man aber die wechselvolle Entwicklung gut verfolgen. Oft ein kontinuierliches Fortschreiten, aber immer wieder neue Einwirkungen von innen und außen. Perioden des Aufschwungs, der Stagnation und des Nachlassens, Höhen und Tiefen, wie in allen Gemeinwesen.

So ging es auch dem Verein der sich im Jahre 1866 als Turnverein Eltmann gründete. Es war die Zeit eines glühenden Patriotismus, der auch sichtbaren Ausdruck in einer Begeisterung für die Idee des Turnens fand. Ein Anstoß war wohl das erste Deutsche Turnfest in Coburg, in dessen Folge zahlreiche Turnvereine entstanden.

Schriftliche Unterlagen aus den ersten Jahrzehnten des Vereins sind nicht mehr da. Wir sind hier auf Überlieferungen und frühere Angaben von alten Turnern angewiesen. Die Protokollbücher sind ab 1896 zum großen Teil vorhanden. Da der Verein ab 1921 als eingetragener Verein geführt wird, stehen noch die Unterlagen des Vereinsregisters beim Amtsgericht Haßfurt zur Verfügung.

Mit großem Eifer wurde in den ersten Jahren der Betrieb der Turnkunst durchgeführt. Im Laufe der Zeit verblasste dieser Eifer aber, weshalb der Vereinsbetrieb wieder einschlief. Diese Entwicklung ist in vielen Vereinen unserer fränkischen Heimat festzustellen, ebenso eine neue Blüte in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In eltmann wurde der Turnverein 1896 neu gegründet.

Ein Vorteil war damals die wirtschaftliche Entwicklung unseres Städtchens um 1900. Damals blühte die Steinindustrie auf und es gab viel Zuzug und damit auch Zuwachs im Verein.

Aus dem Jahre 1910 liegt die erste gedruckte Satzung vor, deren Wortlaut schon von der ältesten Satzung stammt und um diese Zeit lediglich überarbeitet wurde.

Als Vereinszweck ist darin festgelegt: „Der Verein stellt sich die Aufgabe, durch Betrieb und Förderung der deutschen Turnkunst seine Mitglieder zur sittlichen heiteren Lebensäußerung und kräftigen gemeinsamen Übungen anzuhalten und so eine praktische Grundlage für das Leben und den Dienst des Vaterlandes zu schaffen, durch gesellige Unterhaltung brüderliche Zusammengehörigkeit zu pflegen und durch Erteilung des Turnunterrichts an die Jugend der Turnerei Bestand zu schaffen.“

Wie diese Statuten belegen, fühlte man sich früher viel mehr dem Gemeinwohl verpflichtet, als in unserer heutigen sachlich orientierten Zeit.

Ein weiteres Beispiel dafür ist die Verbindung zwischen Turnverein und der freiwilligen Feuerwehr, die 1870 als Verein gegründet wurde. Unser verstorbener Vorstand Fritz Strätz erwähnt in der Vereinsgeschichte anlässlich des 90-jährigen Jubiläums, dass die erste Vereinsfahne, die dann im 1. Weltkrieg verloren ging, auch von der Feuerwehr verwendet wurde. Auf der einen, der weißen Seite der Fahne, war der Name des Turnvereins zu lesen, auf der anderen, der roten Seite, der der Feuerwehr. Die Ursache war den Chronisten nicht bekannt. Es war jedoch eine allgemeine Erscheinung. Wie auch anderwärts in jener Frühzeit versah auch der Turnverein Eltmann die Aufgabe der Feuerwehr, die sich noch lange aus den Reihen der Turner rekrutierte.

Im Jahre 1896 war der Buchbindermeister Wilhelm Koch 1. Vorstand, der Kaufmann August Pöllath 2. Vorstand, Turnwart war Kilian Schreiber, Schriftführer Peter Schreyer, Säckelwart Paul Schoske.

Es kam eine gute Zeit für den Verein, Turngeräte wurden angeschafft, Wettkampfriegen zu den verschiedenen Turnfesten abgestellt.

Trotzdem gab es immer wieder Schwierigkeiten zu überwinden. Das Protokoll bemerkt z.B.: „Nachdem im Frühjahr 1900 das Turnen der Zöglinge vereitelt wurde…,soll in diesem Jahre zum wiederholten Male das Turnen der Zöglinge betätigt werden. Dem katholischcen Pfarramt ist eine Liste der betr. Zöglinge vorzulegen und um Genehmigung, dass hierzu hiesige Sonntagsschüler sich beteiligen können, nachzusuchen.“ Die Geselligkeit wurde um die Jahrhundertwende gepflegt. Alljährlich fand auch ein Ball statt, zu dem z.B. 1897 Abordnungen der Vereine Haßfurt, Limbach, Zeil und Oberschleichach eingeladen wurden.

Von 1903 bis 1909 fehlen die Protokolle. In diesem Zeitraum muss ein Rückgang eingetreten sein, der bis zu Auflösungserscheinungen führte. Denn im Januar 1910 wurde beschlossen, dass der Turnverein unter dem alten Namen weiter bestehen soll und die alten Mitglieder übernommen werden. Vom alten Verein wurden weder Guthaben noch Schulden übernommen, nur die Turngeräte. eine Spende ergab ein Vereinsvermögen von 10 Mark.

Die neue Vorstandschaft bestand aus dem Einsenbahnsekretär Gottschneider als 1. Vorstand, dem Apotheker Brenner als 2. Vorstand (dieser Posten wechselte dann öfter), Schriftführer war Rauch, ab 1911 schon Albert Pützschler, Säckelwart Wilhelm Koch, Turnwarte Hans Basel und Scheller, für diesen später Georg Schmitt und Baptist Greubel.

Der Turnbetrieb blühte schnell auf, es wurde eifrig geübt, die Männerriege turnte am Mittwoch, die 17-25-jährigen am Montag und Donnerstag und die Zöglinge am Freitag. Die Mitgliederzahl stieg 1910 auf 82, später weiter.

Diese Jahre vor dem 1. Weltkrieg brachten den Verein turnerisch auf einen Spitzenplatz im ganzen Gau Schweinfurt. Es wurden Gauturnfeste, Bezirksturnfeste mit starken Riegen besucht, z.B. in Haßfurt, augsfeld, Würzburg-Heidingsfeld, Wülflingen, Gochsheim, Bergturnfeste auf der Schmachtenburg, dazu das Bayer. Turnfest in Leipzig. Stellvertretend für alle Turner dieser Zeit sollen hier Michael Köbrich und Hans Basel genannt werden.

Entsprechend den turnerischen Erfolgen nahm auch das gesellige Vereinsleben wieder zu. Ab 1910 wurden wieder jährliche Konzerte durchgeführt mit turnerischen Vorführungen, wobei besonders zu bemerken ist, dass 1913 erstmals eine Damenabteilung mitwirkte.

Ein Überblick über die finanzielle Seite ergibt, dass man damals genau rechnen musste, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen. Die Mitgliedsbeiträge machten um 1900 monatlich 20 Pfennige aus. Dies entsprach immerhin dem Wert von 1 Liter Bier. Ab 1913 wurde der Beitrag auf 90 Pfennige pro Vierteljahr erhöht, also um 50 %. Wenn man berücksichtigt, dass damals der Lebensstandard wesentlich geringer als heute war, so waren die Beiträge nicht unbedeutend. Es fielen auch ständig Unkosten an. Für den Vereinsdiener Johann Lochner wurden bis 1911 20 Mark bezahlt, dann 25 Mark.

Es mussten auch immer wieder neue Geräte angeschafft werden, auch schon allerhand für die Leichtathletik. Dafür nahm man auch Darlehen auf, z.B. bestanden 1912 Schulden von 30 Mark für ein Privatdarlehen um 200 Mark die vom damals bestehenden Vorschussverein geliehen waren. Da dann im Krieg weiterhin Beiträge bezahlt wurden und weniger Auslagen anfielen, konnten die Schulden ohne Mühe gedeckt werden.

Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges am 01.08.1914 „wurde die Arbeit des Vereins jäh unterbrochen, da der größte Teil unserer aktiven Turner sofort zu den Fahnen einberufen wurde“, wie das Protokoll vermerkt.

Der Turnbetrieb beschränkte sich auf volkstümliches Turnen, und auch dies konnte nur noch in den Sommermonaten durchgeführt werden, da der Turnsaal zur Unterbringung von Kriegsgefangenen diente. Im Krieg konnte nur noch das Bergturnfest auf dem Ebersberg besucht werden.

Der Krieg brachte dem Verein einen großen Aderlass. Es kehrten 22 Turner nicht mehr zurück. Ihre Namen sind auf dem Ehrenmal an der Wallburg verewigt.

 

 

 

 

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